Die unterbrochene Spur
Antifaschisten in der Schweiz 1933-1945

Film von Mathias Knauer, produziert 1979-1982 vom Filmkollektiv Zürich
Schweiz 1982, 16mm, Farbe, 144 Minuten (1643 m, 25 B/s), 

Versionen: 
16mm, Farbe, Magnetton, Deutsch/italienisch. (=Originalversion, deutsche Untertitel )
16mm, Farbe, Magnetton, Deutsch/italienisch; französische Untertitel
16mm, Farbe, Lichtton, Deutsch/italienisch; englische Untertitel bei Pro Helvetia.
[eine Kopie der Originalversion liegt in der Cinémathèque Suisse, nicht ausleihbar]

Videokassetten VHS für (wissenschaftliche) Studienzwecke können bei der Produktion bezogen werden: Anfragen...

 Liste der Texte und Materialien


Rechte: attacca Filmproduktion, Hardstr, 87, 8004 Zürich, Tel. +41 1 493 49 11, Fax +41 1 493 49 61

Verleih: Filmcooperative Zürich, Fabrikstraße 21, 8031 Zürich, E-Mail: info@filmcoopi.ch 
Telefon +41+1 448 44 22,Fax +41+1 448 44 28

NB: Eine Sequenz dieses Films ist im Kurzfilm »Berta Urech« ausgebaut worden. Dieser Film von 17 Minuten ist für Schulen und Diskussionen geeignet; er kann auch als »Trailer« für »Die unterbrochene Spur« verwendet werden.


Synopsis deutsch  |  français  |   english  |  Materialien...


Ein kaum bekanntes Kapitel über das Asylland Schweiz.


Die unterbrochene Spur

Der Filmemacher verfolgt eine Spur der Schweizer Geschichte - jene der politischen Emigration und dem Widerstand während der Zeit des italienischen Faschismus und des Nationalsozialismus. Der Film zeigt die Schicksale von in die Schweiz geflüchteten Hitlergegnern, die von unserem Land aus versuchten, den Widerstand in Deutschland zu unterstützen, und er handelt von mutigen Schweizern, die die oft illegal in der Schweiz lebenden Emigranten beherbergten und ihre Widerstandsaktionen unterstützten - eine andere Seite der Schweizer Geschichte, als wie sie aus den Büchern kennen.

 La trace interrompue

La trace de notre histoire de 1933 à 1945.
Des émigrés antifascistes et des réfugiés en Suisse: leurs conditions de vie; leur travail dans la clandestinité et dans les camps de travail.
Les Suisses, hommes et femmes, qui les ont hébergés, qui les on imprimé et transporté leurs écrits proscrits, qui ont fait office de passeurs à la frontière, qui leurs sont venus en aide en organisant des collectes, apportant ainsi leur part à la résistance allemande ou italienne.
La trace disparaissante: dossiers, textes, films; souvenirs, lieux de l'action, monuments.
Contrepoints à l'image de la-Suisse-terre-d'asile.

Traces Unseen

(Program note by Ralph McKay – film series World War II and Switzerland at the Chicago Film Center 1997) 

An invaluable record that forms a living memorial to those who resisted by any means necessary in Switzerland from 1933 to 1945.
The film documents them one by one: immigrants, antifascists, and illegal refugees, and their living conditions in the underground or their detention in Swiss labor camps. It also documents the Swiss who accommodated them; those who supported their resistance work through donations, and as organizers, printers or messengers transporting illegal documents (and people) across borders. The vanishing tracks – documents, texts, films, memories, scenes of actions, monuments – form counterpoints to the image of Switzerland as a country of asylum.
Made in the early eighties, when the survivors were still in the prime of life, this astonishing document is also a masterpiece of film style and form.


Rob Gnant Kamera
Hannelore Künzi Schnitt
Andreas Litmanowitsch Ton
Michael Mrakitsch Sprecher
Stefania Quadri Regieassistenz, Übersetzungen, Sprecherin
Jürgen L. Karg Produktionsleitung, Aufnahmeleitung
Michael Galli Kameraassistenz
Bernhard Lehner Kameraassistenz, Schnittassistenz, fotografische Reproduktionsarbeiten
Benjamin Lehmann Beleuchtung, Bühne
Werner Santschi Beleuchtung, Bühne
Roland Moser Musikberatung, Dirigent
Mathias Knauer Konzeption, Recherchen, Buch, Regie, Schnitt
   

Mitarbeiter bei den Recherchen: Michele Morach, Jacques Schwarzstein und Uta Lenzlinger
Sprechstimmen Zitate: Nando Sciarrone, Elisabeth Speissegger, Yehoshua Lakner, Vilma Hinn, Walter Marti
Weitere Mitarbeit: Walter Brehm, Urs Graf, Florian Eidenbenz, Roger Bonnot, Rolf Schmid, Tiziana Prina, der Chor von Kultur&Volk Zürich.

Mit: Paul Nusch, Homberg (Ohm) - Ernst Bärtschi, Kreuzlingen, Karl Rhein, Basel - Paula Moser-Kehrli, Münchenstein - Lore Wolf, Frankfurt - Martha Berner, Zürich - Berta Urech, Zürich - Gerda Rodel, Arbon - Rita Gentina, Losone - Alessandro Vaia, Milano - Silvio Baccalà, Gerra - Gabriella Antognini, Locarno

Produziert 1979 bis 1982 vom Filmkollektiv Zürich mit Beiträgen von: Eidg. Departement des Innern, Hessischer Rundfunk, Ev.-ref. Landeskirche des Kantons Bern, Landeszentrale für politische Bildung NRW Düsseldorf, Kanton Bern, Migros-Genossenschafts-Bund, VPOD, Schweiz. Arbeiterhilfswerk.


Pressestimmen

[...] Immerhin ging es nun also zumindest in einem Spielfilm an, auf die dunklen Seiten der Schweizer Flüchtlingspolitik hinzuweisen. [Das Boot ist voll]

Für Dokumentarfilmer erwies sich das Thema noch immer als gewagt. Dies erlebte ebenfalls 1981 Mathias Knauer, als er den Emigranten und Antifaschisten nachgehen wollte, die im Zweiten Weltkrieg im Schweizer Untergrund gelebt hatten, unterstützt vornehmlich von linken und kirchlichen Kreisen.
Sein Filmprojekt «Die unterbrochene Spur» stiess auf Widerstand; so lehnte der Zürcher Regierungsrat ein Gesuch um einen Herstellungsbeitrag ab mit der Begründung, der geplante Film wolle «die Flüchtlingspolitik der Schweiz während dem Zweiten Weltkrieg in ein schlechtes Licht rücken». Dabei geschieht im Film selbst das Gegenteil. Knauers Arbeit formuliert weder eine kollektive Schuld noch leistet er einer neuen Legendenbildung Vorschub. «Die unterbrochene Spur» ist ein Film des unentbehrlichen kollektiven Gedächtnisses und der späten Wiedergutmachung, in welchem nicht zuletzt sehr feinfühlig Frauen und Männer zusammengeführt werden, die sich seinerzeit in ihrer antifaschistischen Tätigkeit aus Sicherheitsgründen nie persönlich begegnet waren. [...] 
(Felix Aeppli, NZZ am Sonntag, 24. März 2002)

Aus Pressestimmen von 1982

»Das ist eine Geschichtslektion, die gegenwärtig und nah werden läßt, was sich üblicherweise in der bequemen Ferne des heroischen Mythos verliert: Das Asylland Schweiz, wie es wirklich war oder auch war. So viele Schicksale, so viele Heimlichkeiten: Die unterbrochene Spur weist schlüssig nach, daß es in der Schweiz einen demokratischen Untergrund gegeben hat, dessen größter Gegner die Fremdenpolizei war. Und er zeigt, wer die linken Antifaschisten wirklich schützte.« 
(Martin Schaub, Tages-Anzeiger Zürich)

»Filme wie Die unterbrochene Spur ... leben von einer Art unterirdischem Fluß, in dem das auf mehreren Ebenen oft nur flüchtig Angesprochene zusammenspielt. Spuren werden gesucht, nachgezogen, erinnert und in der Erinnerung mit Leben gefüllt. ›Wie sah die Wirklichkeit aus – der Alltag des Volkes, das keinen Memoiren schrieb?‹ fragt der Autor, wenn er nachts mit der Kamera durch die Straßen von Zürcher Arbeiterquartieren fährt. Es sind keine ganzen Geschichten, die der Film erzählt, und schon gar nicht will er Geschichte rekonstruieren. (...) Man könnte jede der Sequenzen zu einem ganzen Film erweitern oder ein Buch füllen mit dem, was hinter dem hier Gezeigten steht. (...)
Man fragt sich, längst bevor es der Autor im Film selber tut, warum uns diese Geschichten nicht erzählt worden sind – diese und die, welche hinter den hier angerissenen stehen. Ins Bild der menschenfreundlichen Schweiz paßt vieles nicht, womit man hier konfrontiert wird; es paßt nur, was über die bisher nicht geschichtswürdigen ›kleinen Leute‹ berichtet wird, von ihnen selbst und in den Erinnerungen der Geretteten.« 
(Verena Zimmermann, Basler Zeitung)

»Hier wird eine Lücke geschlossen, hier wartet ein Film mit Informationen auf, die jahrzehntelang so totgeschwiegen worden sind, daß sie heute nur noch fragmentarisch faßbar sind in den Erinnerungen Überlebender und in bisher ungeöffneten Archiven. (...)
Man sieht von der Warte der Gegenwart aus die unterbrochene Spur des kämpferischen Antifaschismus, als einzige Möglichkeit, das ungeschriebene Kapitel Geschichte aus Distanz von vier Jahrzehnten wenigstens in lückenhaften Stichworten zu skizzieren. 
(Christine Ruf, Solothurner Zeitung)

Preise

FIPRESCI-Preis Mannheim 1982, Zürcher Filmpreis, Prämie EDI (nach Rekurs)

Literatur

Mathias Knauer/Jürg Frischknecht: Die unterbrochene Spur. Limmat-Verlag, Zürich 1988.


© 2002 Mathias Knauer – http://mathiasknauer.lemmata.ch Zum Seitenanfang